„Jeder achte nicht nur auf das eigene Wohl, sondern auch auf das der anderen.“
(Philipper 2,4)

Was habe ich davon?

Der Förster des Klosters Loccum – in der Nähe des Steinhuder Meers - erzählt, dass die Zisterzienser seit alten Zeiten Eichen pflanzten. Nun ist bekannt, dass Eichen sehr langsam wachsen. Wer einen solchen Baum pflanzt und aufzieht, plant in größeren zeitlichen Dimensionen und nicht nur für sich selbst und seine Zeit. Er sieht nicht nur sich und seine Generation, sondern blickt über sich selbst hinaus, nach vorne. Er  steckt viel Arbeit, Zeit und Kraft in ein Werk, dessen Nutzen andere – nach ihm – haben. Kommende Generationen werden die Eiche weiterpflegen, bis daraus ein prächtiger Baum wird. 

In jeder Generation beginnt ein neuer Kreislauf: Geben und nehmen. Heute trägt das, was die Mönche in den Wäldern um ihre Klosteranlagen praktizierten, in der Forstwirtschaft den Begriff „Nachhaltigkeit“ und bestimmt das Agenda- Programm zur Bewahrung der Schöpfung. 

Aber es geht heute nicht nur darum, für nachwachsende Rohstoffe zu sorgen.  Nachhaltigkeit meint die Verantwortung für eine Welt, die uns nur anvertraut ist, in der wir leben wie Glieder in einer Lebenskette. Wer heute nur für sich selbst lebt, rücksichtslos nur an sich selber denkt, zerreißt diese Lebenskette. 

„Jeder achte nicht nur auf das eigene Wohl,
  sondern auch auf das der anderen.“

Das „Wohl der anderen“ ist nicht nur das Wohl meines Nächsten, meines Nachbarn und Zeitgenossen, der andere ist auch immer der, der nach mir kommt in der nächsten Generation.

„Auf den anderen schauen“, auf den, der neben mir lebt und nach mir leben wird, ist eine nachhaltige Aufmerksamkeit, die uns letztlich selbst zu Gute kommt. Aber  mit den Worten des Apostels Paulus ist sie auch: Geschwisterschaft in Christus und vor Gott. Hier liegt sogar der Grund. Es ist – folgt man dem Apostel Paulus und den Zisterziensern - der „dienende Mut“, der Königsweg der Liebe. Demut gegenüber unseren Mitmenschen und denen, die nach uns kommen! Auf das Wohl der anderen zu achten, heißt menschlich werden und menschlich handeln. 

Im Gleichnis vom Barmherzigen Samariter entgrenzt Jesus die Nächstenliebe und macht das Lebensdienliche zur Maxime der zwischenmenschlichen Beziehung über Stammesgrenzen hinweg. Auch wenn in der Geschichte des Barmherzigen Samariters der gemeint ist, dem ich zum  „Nächsten“ werden kann, bleibt die Verantwortung auch im zeitlichen Sinne für den „Nächsten“ - der, der nach mir kommen wird -  lebens-notwendig.

Es geht um  eine Balance: Das eigene Wohl achten. Paulus sagt aber eben: „Nicht nur“. 
Letztlich sind wir aber – um „mit Zukunft zu leben“ - nicht nur angewiesen auf diese Balance. 

„Jeder achte nicht nur auf das eigene Wohl,
sondern auch auf das der anderen.“

Zum Selbstverständnis der Christen gehört es anzuerkennen, dass sie auf Gott angewiesen sind, auf sein Wort, seine Gnade , auf seine Gaben des Lebens. Diesen Lebenszusammenhang haben die Zisterzienser erkannt und gelebt. Wie Paulus vor ihnen richteten sie den Blick auf den, der in einzigartiger und grundlegende Weise in Demut lebte, der Mensch wurde und sich als Mensch zu erkennen gab:  Jesus Christus.

Nutzen Sie einen freien Tag in diesen Ferienwochen zum Besuch im Kloster Loccum. Werfen Sie einen Blick hinter die kühlen Klostermauern und auf das romanische Kreuz in der Klosterkirche. Vielleicht begegnen Sie ja auch dem Förster. 
 

Ralf Tyra
Hanns-Lilje-Stiftung, Hannover

http://www.lilje-stiftung.de
 

 

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