Wort zum Monat Oktober 2001

Jesus Christus spricht:
„Im Himmel wird mehr Freude herrschen über einen einzigen Sünder, der umkehrt, als über 99 Gerechte.“

(Lukas 15, Vers 7)

Bei diesem Spruch wünscht man sich ja fast, ein „Sünder“ zu sein. Dann hat man den Jubel des Himmels auf seiner Seite ... - und wer möchte schließlich nicht von Gott geliebt oder sogar bejubelt werden? Und „Sünder“ zu sein, ist ja nicht so schwer, wir haben alle Fehler. Also frisch ans Werk.
Aber so einfach ist die Sache dann leider doch wieder nicht. Denn da ist ja noch der kleine Zwischensatz „der Sünder, der umkehrt“. - Ups! Fehler machen/ „Sünder“ sein ist nicht schwer: Wer sich ehrlich selbst betrachtet, weiß, dass er/ sie Talent dazu hat. Aber umzukehren, also sich von schlechten Wegen auf gute Wege zu begeben, das ist doch schon wesentlich schwieriger. Fehler geben viele nicht gern zu; man könnte ja das Gesicht verlieren. Fehler werden eher vertuscht, damit einem niemand auf die Schliche kommt.
Fehlerlos ist niemand und wird wahrscheinlich auch niemand werden. - Also ist umkehren doch eine eher aussichtslose Sache und der Jubel im Himmel eine Illusion? Aber Jesus sagt ja nicht, „im Himmel herrscht Freude über einen ehemaligen Sünder, der nun fehlerfrei ist“. Es geht aber darum, dass der Sünder/ der Mensch mit Fehlern seine Richtung ändert. Es geht nicht darum, nur etwas irgendwie anders zu machen als vorher; sondern: Wer sich bislang nicht groß um Gott geschert hat und dann doch versucht, sich zu Gott hinzuwenden; wer versucht, sich Gott anzuvertrauen, über den freut sich der Himmel. - Auch wenn er noch weiterhin Fehler macht auf seinem Lebensweg.
Das aus den Worten Jesu zu hören finde ich ermutigend. Es bedeutet, dass der Weg zu Gott immer Erfolg verspricht, auch wenn andere an mir noch viele Fehler entdecken.
Außerdem kommt mir noch eine andere Blickrichtung in den Sinn: Der Himmel sich über einen fehlerhaften Menschen, der sich trotz seiner Fehler an Gott orientieren will. Dann könnte ich mich ja vielleicht auch etwas an diesem Menschen freuen (trotz mancher Fehler). Vielleicht kann ich ihn zeitweise mit Gottes Augen sehen: als einen Menschen, dem Gottes Liebe gilt; der nach Gottes Meinung liebens-wert ist. Peter Seydell






Peter Seydell

Die Meditationen wurden veröffentlicht im Rahmen der
Homepage der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover.
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